Lauterbacher Anzeiger 21.06.2026 // von Carsten Eigner
Stockhausen – Dass es auf dem Johannimarkt in Stockhausen Erzeugnisse aus dem Kunsthandwerk „nicht von der Stange“ und Kulinarik in Bio-Qualität gibt, dürfte sich mittlerweile schon herumgesprochen haben und sorgt Jahr für Jahr für einen großen Publikumszuspruch. Am diesjährigen längsten Wochenende des Jahres gab es im Stockhäuser Schlosspark unter den knapp 50 Ständen jedoch auch einen solchen mit einem Verkaufsgut, welches man so sicherlich nicht überall im Regal finden wird: Glück.
Das Schild mit der Aufschrift „Heute durchkitzeln“ war kaum zu übersehen und der gut gelaunte „Glücksverkäufer“ ging zielstrebig auf seine potenzielle Kundschaft zu. Jan Johl aus Eiterfeld drückte dabei den Besucherinnen und Besuchern sein Markenzeichen in die Hand, die aus Moosgummi gefertigte gelbe Mini-Glücksblume, ohne dass diese ihrerseits ihre Geldbörse öffnen mussten. „Ich verteile seit 25 Jahren Glücksblumen, und die kosten nur ein Lächeln“, sagte der Anfang 60-Jährige, der eigentlich aus Offenbach stammt. In der einstigen Weltstadt der Lederindustrie am Main gehörte er zur vierten Generation des früheren Familienunternehmens Seeger Lederwaren.
Vom einstigen Familienprodukt inspiriert ist Johls „Glücksetui“, von ihm auch als „die kleinste up-gecycelte Lederbörse der Welt“ bezeichnet. Das winzige Geldtäschchen gab’s komplett mit „Glücksanleitung“ und einem „Glückspfennig“, einer echten Ein-Pfennig-Münze. Der bekennende „Glücksionär“ hat vor einigen Jahren nicht weniger als 30 000 der kleinen roten Münzen von einem Sammler kaufen können „Und 29 000 davon habe ich immer noch“, betont er, dass der Vorrat für weitere der kleinen Ledertaschen auf jeden Fall gesichert ist. Seine „Glücksblume“ hat er auch in einer größeren Version, womit sie auch an eine Fahrradlampe oder auch an den Scheibenwischer des Autos geheftet werden kann. Wenn er einmal nicht auf einer Veranstaltung wie dem Johannimarkt in Stockhausen zu Gast ist, unterstützt er mit seinem „Nix-Tun-Workshop“ und seinem „Haus der Stille“ von Burnout und Stress betroffene Menschen dabei, eine Auszeit vom Alltag zu nehmen und ihr inneres Glück neu zu finden.
Zwar nicht gleich das Glück, aber doch zumindest freundliche Gesichter waren beim Stand des Generationentreffs Stockhausen-Schadges höchst erwünscht. Dort machte man nämlich kräftig Werbung für den laufenden Fotowettbewerb „Gesichter gesucht“. Ob freundliche Gartenhütten, erstaunte Küchengeräte, verschmitzte Trolle im Astwerk – das Phänomen der sogenannten „Pareidolie“ lässt die Kombination aus menschlichem Auge und Gehirn überall in Dingen des Alltags vermeintliche Gesichter erkennen. Die schönsten Einsendungen werden in einer Ausstellung in Stockhausen prämiert und die Publikumslieblinge ermittelt. Mitmachen kann jeder, wobei in drei Altersklassen (Erwachsene, Jugendliche und Kinder bis 12 Jahre) gewertet wird. Bilder können noch bis zum 31. Oktober an Martina Eichenauer (martina@meichenauer.de) geschickt werden, wobei Mehrfacheinreichungen möglich sind und attraktive Preise winken.
Einige Schritte gab es Bilder, auch solche mit Motiven aus Stockhausen, in anderer Gestalt zu kaufen. Denn die ortsansässige Künstlerin Annette Görnert hatte wieder einen Verkaufsstand auf dem Johannimarkt. Nicht überall gab es fertige Ware zu kaufen. Bei Vera Küllmer und Alexander Mengel aus Nüsttal-Silges etwa konnte man die auf Basis einer Holzscheibe gemachten Weidenkörbe vor Ort selbst flechten, bevor man sie mitnahm. Das Ausgangsmaterial stammte aus der heimischen Rhön, vom Frühjahrsschnitt der Korbweiden. Speziell für Kinder auch ein Erlebnis.
Für den Nachwuchs auf alle Fälle ein Event war aber die Begegnung mit Onil dem Drachen. Das unersättliche feuerspeiende Ungeheuer war dabei vor allem ungeheuerlich kinderlieb und bemühte sich fleißig, unter Unterstützung aus den Reihen des Publikums ein Drachenei zu legen und auszubrüten.
„Das Wetter ist einfach schön und trotz des Hessentags haben wir heute einen guten Auflauf. Wir sind zufrieden. Die Stimmung ist super“, zeigte sich Manuel Ibn Salem als Geschäftsführer der Gemeinschaft Altenschlirf trotz der erwarteten Konkurrenz durch das 20 Kilometer entfernt stattfindende große hessische Landesfest sehr zufrieden mit der Publikumsresonanz.