Ein Bericht von Frank Ebmeyer
Wir haben – Schloß-Nord mit Micheline und Guy Joly – vom 30. April bis zum 7. Mai 2026 eine Bildungsreise an den Bodensee unternommen. Die Fahrt über Rothenburg ob der Tauber und vorbei an Ulm verlief ohne Stau. Gegen Ende des Nachmittags erreichten wir unser Ziel. Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir von der Terrasse unserer Unterkunft aus die schneebedeckten Berge sehen. Untergebracht waren wir im „Humboldt-Haus“ in Achberg, etwa sieben Kilometer oberhalb von Lindau. Zunächst schauten wir uns das Dorf Achberg-Esseratsweiler an. Besonders beeindruckte uns die Kirche mit ihrer dicken, runden Umfassungsmauer. Am ersten Abend wurde im Dorf der Maibaum aufgestellt, begleitet von einer Blaskapelle. Anschließend konnten wir im Dorfgemeinschaftshaus deren Musik genießen.
Am nächsten Tag besuchten wir das Schloss Achberg. Dort fand ein Frühlingsfest statt, bei dem wir Kaffee und Kuchen genießen konnten. Im Schloss sahen wir eine Gemäldeausstellung des Malers Karl Hofer (1878–1955). Er wurde 77 Jahre alt und starb in Berlin. Seine erste Frau war jüdischer Abstammung.
Bei Ravensburg besichtigten wir die große Klosteranlage Weingarten. Die Basilika St. Martin beeindruckte uns besonders: Das Kirchenschiff ist rund 90 Meter lang. Auf der Empore befindet sich die berühmte Barockorgel des Orgelbauers Joseph Gabler aus dem Jahr 1750. Der Legende nach besitzt sie 6.666 Pfeifen; gespielt wird sie mit 63 Registern. Auf dem Rückweg nach Achberg entdeckten wir am Straßenrand ein ungewöhnliches Kunstobjekt: Ein VW-Käfer stand auf einem Pfahl, darunter befand sich dieselbe Karosserie spiegelverkehrt auf dem Kopf.
Im Humboldt-Haus trafen wir einen Mitarbeiter, der in Dietershausen aufgewachsen ist und die Waldorfschule Loheland in unserer Nähe kennt. Er zeigte uns ein Modell eines Kuppelbaus aus vielen Dreiecken, bestehend aus vier Kuppeln. Diese Bauweise nennt man geodätische Kuppel. In Lindau konnten wir einen Zeppelin beobachten. Das Luftschiff wirkte sehr groß und bewegte sich erstaunlich langsam. Es startet in Friedrichshafen, unweit von Lindau.
Im Lindauer Hafen brütete ein Schwan mitten im Besucherbereich ganz ruhig in seinem Nest und wurde von vielen Menschen fotografiert.
Außerdem sahen wir dort einen Künstler, der auf einem hohen Einrad mit Keulen und Bällen jonglierte. Im Hafen steht auch ein alter Wehrturm, aus dessen Fenster ein langer Rapunzel-Zopf hängt – wer könnte sie wohl befreien?
Zwischen Ravensburg und Wangen besuchten wir ein Freilichtmuseum mit 28 historischen Hofgebäuden. Dort konnten wir sehen, wie die Menschen vor mehr als hundert Jahren lebten und arbeiteten. Vieles wurde noch von Hand erledigt: melken, Teig kneten, Getreide mähen und dreschen. Dabei musste ich an Ludwig Frevel denken, der noch von Hand gemolken hat.
Ein Raum war zahlreichen Handwerksberufen gewidmet, darunter Schuster, Böttcher und Sattler. In einem Haus bereiteten die „Landfrauen“ eine besondere Art von Krapfen zu, die wir gegen eine Spende probieren durften. Zum Abschluss beobachteten wir zwei große Schweine, die friedlich schliefen. Auf einer Wiese standen Rinder der Rasse Allgäuer Braunvieh.
In Wolfegg besichtigten wir eine schöne Barockkirche mit großen Deckenfresken und einer eindrucksvollen Fürstenloge. Draußen an einem Turm steht ein großer Spalierbaum, der reichlich Obst tragen kann.
Bei Überlingen parkten wir an der Christengemeinschaft und machten auf dem Schulhof der Waldorfschule ein Picknick. Anschließend wanderten wir von Überlingen-Nußdorf zur Klosterkirche Birnau. Von dort aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf den Bodensee.
Eigentlich wollten wir an diesem Tag die Insel Mainau besuchen. Da die Schiffsverbindungen jedoch ungünstig waren, verschoben wir den Besuch und fuhren stattdessen nach Bregenz. Dort freuten wir uns über das Parkhaus „Landhaus“, das mit einer Höhe von 2,70 Metern ideal für unseren Bus geeignet war.
Am See steht die große Freiluftbühne der Bregenzer Festspiele. Zurzeit ist dort eine beeindruckende Kulisse für die Oper „La Traviata“ aufgebaut: ein riesiger zerbrochener Spiegel. In einem nahegelegenen Park mit Spielplatz nutzte Iris die Gelegenheit zum Schaukeln.
Frau Irmer, die Verantwortliche des Humboldt-Hauses, erzählte uns etwas über die Geschichte des Hauses, das heute als Hotel und Kulturzentrum genutzt wird. Dort finden regelmäßig Tagungen statt, und es steht auch anthroposophische Literatur zur Verfügung. Zudem sind Beiträge über den Künstler Joseph Beuys ausgestellt, der vor genau 40 Jahren im Alter von 64 Jahren starb.
Schließlich besuchten wir doch noch die Insel Mainau. Mit der Autofähre von Meersburg nach Konstanz verlief die Überfahrt schnell und unkompliziert. Die Fähren verkehren etwa alle 15 bis 20 Minuten. Auf der Hinfahrt war die Fähre fast leer, auf der Rückfahrt dagegen stark ausgelastet, auch mit vielen Lastwagen.
Die Insel Mainau beeindruckte uns mit ihrem weitläufigen Park, zahlreichen Bäumen und Blumen. Zu sehen waren Pferde, Ziegen, Alpakas, Vikunjas sowie Pfauen. Sogar Figuren aus Blumen waren gestaltet worden. Es gibt dort viele schöne Spazierwege. Wir besuchten die Schlosskirche, als plötzlich ein Gewitter mit starkem Regen aufzog. Zum Glück konnten wir schnell in ein Geschäft flüchten und dort im Trockenen sitzen. Von dort führte eine Tür direkt in das Schmetterlingshaus.
Dort erwartete uns ein besonderes Erlebnis: Bunte Schmetterlinge in allen Größen flogen frei umher. Auf Orangenscheiben saßen mehrere Exemplare und saugten minutenlang ganz ruhig mit ihren langen Rüsseln den Saft auf.
Danke – es war eine sehr schöne Woche!
Frank Ebmeyer